Die Website zum Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018 wird nicht mehr aktualisiert, steht aber bis auf weiteres als Nachlese zur Verfügung.
Seitenpfad
Ihre Position: Oesterreich100.at - Von Tag zu Tag 1917 bis 1919
Inhalt

Von Tag zu Tag 1917 bis 1919

1. September 1918

Französischunterricht in der Schwarzwaldschule, dem ersten Mädchenrealgymnasium Wiens
Wien – Innere Stadt, Wallnerstraße 9, um 1935: Französischunterricht in der Schwarzwaldschule, dem ersten Mädchenrealgymnasium Wiens; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Am 1. September 1918 berichtete der Niederösterreichische Grenzbote von der dringenden Notwendigkeit der Erziehung weiblicher Jugendlicher zu mehr Selbstständigkeit:

"Obwohl schon viele Leute vor Ausbruch des Krieges die Notwendigkeit erkannt haben, auch den Mädchen nach Abschluß der Schule eine weitere Fortbildung zu ermöglichen, haben die meisten erst jetzt erfahren müssen, was ihnen an Wissen und Kenntnissen noch fehlt, um im Leben – nötigenfalls auch ohne fremde Hilfe – bestehen zu können. Für die Fortbildung der schulentwachsenen Mädchen muß heute der Grundsatz gelten, daß jedes Mädchen für irgend einen Beruf ganz ausgebildet sein muß, um sich nötigenfalls eine Lebensstellung erwerben zu können."

Unter Kaiserin Maria Theresia wurde bereits 1774 die Allgemeine Schulpflicht für Mädchen und Knaben eingeführt. Allgemeinbildung für Mädchen wurde aber trotzdem stiefmütterlich behandelt; durch hausfrauenspezifische Ausbildungen wurden Mädchen und junge Frauen in gesellschaftlich untergeordnete Rollen gedrängt. Die noch im 18. Jahrhundert gegründeten Mädchenschulen, etwa das Offizierstöchter-Institut oder das Zivil-Mädchen-Pensionat, waren hauswirtschaftlich ausgerichtet. Von höherer Bildung und einem Studium an einer Universität blieb der Großteil der Frauen ausgeschlossen. Erst ab 1878 war es Mädchen erlaubt die Matura zu absolvieren und ab 1897 wurden Frauen vereinzelt zum Studium zugelassen.

Im Jahr 1911/12 gründete Eugenie Schwarzwald das erste Mädchenrealgymnasium in Wien, für das sie zahlreiche prominente Lehrkräfte gewinnen konnte (unter ihnen Oskar Kokoschka, Adolf Loos und Arnold Schönberg). In der Ersten Republik wurden die "Schwarzwaldschule" zusammen mit weiteren Mädchenschulen von der öffentlichen Hand gefördert. Die nun beginnende höhere Frauenbildung bedeute einen weiteren Schritt zur Emanzipation und brachte den Frauen mehr Selbstständigkeit und wohl auch Selbstbewusstsein.

Links:
Die Erziehung der weiblichen Jugend zur Selbstständigkeit (Niederösterreichischer Grenzbote vom 1. September 1918) 
Heute vor 100 Jahren: Eugenie Schwarzwald und der Verein zur Errichtung und Erhaltung von Gemeinschaftsküchen (Kurzbiografie von Eugenie Schwarz; 1. Juli 1918)
Weiterlesen: Frauenbildung 
Weiterlesen: Demokratie und Volksbildung in Wien um 1900

Alle Einträge anzeigen: Von Tag zu Tag