Nach dem Ersten Weltkrieg erlangte die Wasserkraft in Österreich schnell große Bedeutung, da das Land von den großen Kohlenrevieren, die nun im Ausland lagen, abgeschnitten war. Ein großes Wasserkraftprojekt, dass 1919 heftig diskutiert, aber nicht verwirklicht wurde, war das Drau-Wörthersee Kraftwerk. Das heute fast vergessene Projekt sah vor die Drau bei Rosegg nach Norden in den Wörthersee umzuleiten, um den See als Ausgleichsbecken und das starke Gefälle zwischen dem nahe Klagenfurt liegenden Maiernigg und Maria Rain für ein Kraftwerk zu nutzen. Am südöstlichen Rand von Velden, der Einleitungsstelle der Drau in den See, und in Maria Rain, wo die Drau wieder in ihr altes Flussbett zurückgeleitet worden wäre, waren Kraftwerksbauten vorgesehen.
Am 25. Februar 1919 wurde das Projekt in der Klagenfurter Handelskammer im Rahmen eines Lichtbildvortrags der Öffentlichkeit vorgestellt und stieß dort auf weitgehende Zustimmung, während die direkten Seeanrainer ablehnend blieben. Auch der sozialdemokratische Kärntner Arbeiterwille beschäftigte sich mit dem Kraftwerksprojekt, anerkannte zwar die Notwendigkeit des Ausbaus der Wasserkraft, blieb im Fall des Drau-Wörthersee Kraftwerks aber skeptisch. Ausschlaggebend dafür waren ökologische und wirtschaftliche Gründe (der Bau sollte von einem Wiener und nicht von einem einheimischen Unternehmen durchgeführt werden), aber auch der "populistische" Vortrag der Kraftwerksbetreiber in der Klagenfurter Handelskammer hatte Skepsis aufkommen lassen, wie der Arbeiterwille am 12. März 1919 feststellte:
"Die Seeanrainer haben bereits ihre Bedenken geäußert; sie fürchten, daß diese Großanlage, die 42.000 Pferdekräfte im Jahresdurchschnitt liefern soll, zwar dem Lande einen großen wirtschaftlichen Vorteil bringen, aber zugleich die Badeindustrie auf das schwerste schädigen wird. Der See ist ein ausgesprochener Badesee, das Zentrum der heimischen Fremdenindustrie, die Durchleitung des kalten Drauwassers könnte ihm, wird eingewendet, durch bedeutende Temperaturveränderung, Schwankungen des Seespiegels, Wirbelbildung, Verschmutzung etc. den Charakter eines Badesees nehmen (…) Ing. Janesch, der geistige Urheber des Projektes, versuchte nun alle Bedenken zu zerstreuen. Ob es ihm gelungen ist, bleibe dahingestellt, für uns war bis Beweisführung zu populär. Gewissermaßen durch einen 'technischen Witz', eine schwimmende Konstruktion, soll nicht nur die Temperatur des Sees nicht sinken, sondern länger auf gleicher Höhe erhalten, ja im Winter die Eisbildung früher ermöglicht werden, so daß sogar Klagenfurt von seinen lästigen Winternebeln schneller erlöst werden könnte. Wir zweifeln nicht an Übermöglichkeiten technischer Leistungen, aber über ihre Triumphe wollen wir uns erst dann freuen, wenn wir sie sehen."
Link:
Drau-Wörthersee-Werke (Arbeiterwille vom 12. März 1919)