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Von Tag zu Tag 1917 bis 1919

13. März 1919

Staatssekretär für Justiz, Dr. Julius Roller
"Der bisherige Staatssekretär für Justiz, Dr. Julius Roller, wurde zum Präsidenten des deutschösterreichischen Obersten Gerichtshofes ernannt"; © Das interessante Blatt vom 13. März 1919

Am 13. März 1919 berichtete Das interessante Blatt über die Ernennung Julius Rollers, eines aus Böhmen stammenden Juristen, der nach dem Zusammenbruch der Monarchie für die deutschösterreichische Staatsbürgerschaft optierte, zum Präsidenten des Obersten Gerichtshofes. Die Allgemeine Österreichische Gerichtszeitung würdigte ihn:

"Staatssekretär Dr. Julius Roller, der das Staatsamt für Justiz während einer kurzen aber äußerst wichtigen Übergangszeit mit Umsicht geleitet hat, bleibt dem öffentlichen Leben in einer Funktion von hervorragender Wichtigkeit erhalten, indem er an die Spitze des Obersten Gerichtshofes getreten ist. Diese Berufung wurde von den deutschösterreichischen Juristen und besonders von den Richtern mit großer Befriedigung begrüßt; haben sie doch alle Ursache der kurzen Amtstätigkeit Dr. Rollers eine dankbare Erinnerung zu bewahren. Mitten in der Zeit gewaltiger Umwälzungen, wo andere Fragen vielleicht mit größerem Nachdruck die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zogen, hat er die Notwendigkeit erkannt, die Grundlagen zu sichern, auf denen die Rechtspflege, ruht. Und so ist es wohl zum guten Teile auch ihm zu danken, daß in dem Grundgesetz über die richterliche Gewalt ein Palladium der richterlichen Unabhängigkeit geschaffen wurde."

Julius Roller absolvierte das Studium der Rechtswissenschaften und trat während seiner Wiener Studienzeit der deutschnationalen Burschenschaft Bruna-Sudetia bei. Als Parlamentsabgeordneter vertrat er deutschradikale und später großdeutsche Standpunkte. 2 Mal hatte Roller das Amt des Staatssekretärs für Justiz inne, einmal von von Oktober 1918 bis März 1919 und ein zweites Mal von Juli bis November 1920. 1919 wurde er mit dem Amt des ersten Präsidenten des Obersten Gerichtshofes betraut, das er bis 1927 bekleidete. Für seine Tätigkeit als Staatssekretär 1920 hatte sich Julius Roller ein Rückkehrrecht an den Obersten Gerichtshof ausbedungen.

Roller, der bereits vor 1938 Mitglied der NSDAP wurde, wirkte in der Ersten Republik in der "Österreichisch-deutschen Arbeitsgemeinschaft" mit, die den "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich betrieb und "leistete […] so wertvolle Arbeit für den Anschluß, den als Mitglied der NSDAP erleben zu können, ihn mit größter Genugtuung und Freude erfüllte." (Salzburger Volksblatt vom 28. Oktober 1942)

Link:
Der Wechsel im deutschösterreichischen Staatsamt für Justiz (Allgemeine Österreichische Gerichtszeitung vom 29. März 1919)

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