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Von Tag zu Tag 1917 bis 1919

13. November 1918

Der Grazer Hauptbahnhof, 1927
Der Grazer Hauptbahnhof, 1927; © GrazMuseum, Postkartensammlung, Inventarnummer ASK05_05979

Nach dem Waffenstillstand am 3. November 1918 verübten zurückströmende Soldaten in ganz Österreich  Plünderungen und andere Gewalttaten, die regelmäßig zu Verletzten und Toten führten. Am 13. November 1918 berichtete die Abendausgabe des Grazer Tagblatts über eine wilde Schießerei am Grazer Hauptbahnhof und über den in diesem Zusammenhang festgenommenen ranghöchsten Offizier, der an diesem Abend aus der Haft entlassen wurde, weil er mit der Schießerei nichts zu tun hatte. Grund für die "Schlacht  am Hauptbahnhof" am 12. November 1918 war das Einschreiten des Grazer Bahnhofskommandos, das den Befehl hatte heimkehrende Soldaten aus Sicherheitsgründen zu entwaffnen:

"Kurz vor Mitternacht traf gestern im Hauptbahnhofe ein Zug mit tschecho-slowakischen Truppen ein […] Als die Bahnhofwache nach den Weisungen des Bahnhofkommandos einschreiten wollte, erklärten die Tschecho-Slowaken, daß der Zug nur zwei Maschinengewehre mit sich führe, wovon sie eines abgeben wollten. Während dieser Unterhandlung begann die Bahnhofwache vom Ende des Zuges aus die Entwaffnung vorzunehmen. Plötzlich fielen aus den ersten Wagen Schüsse gegen die Bahnhofwache. In dem vorletzten Wagen fuhren Soldaten deutscher Volkszugehörigkeit, die bei der darauffolgenden allgemeinen Schießerei ins Flankenfeuer gerieten. Sofort wurde die ganze Bahnhofwache, die Militärpolizei und die Gendarmerie aufgeboten. Es entstand ein regelrechtes Feuergefecht, bei dem die Tschecho-Slowaken mit Maschinengewehren aus dem Zuge schossen. Das Gefecht dauerte fast eine Stunde. Die Krankenhaltstation hat fünf Tote und etwa 22 Verletzte, darunter 15 Schwerverletzte, geborgen. Die fünf Toten, von denen bisher nur der Name eines einzigen, des Gefreiten Stephan Krutzley des IR. 73, festgestellt werden konnte, dürften Deutsche desselben Regimentes sein. Sie hatten alle Kopfschüsse. Von den Schwerverletzten haben zwei Bauch-, zwei Kopf- und einige Brustschüsse. Einige Angehörige der Bahnhofwache und der Militärpolizei wurden leicht verletzt. Mitten im schärfsten Maschinengewehrfeuer sprang der Gefreite Hermann auf den Offizierswaggon und zog die Offiziere heraus. Nach geraumer Zeit gelang es, die Tschechen zu überwältigen und zu entwaffnen. Außer zahlreichen Gewehren und Revolvern wurden ihnen 13 vollkommen intakte Maschinengewehre abgenommen […] Die toten Soldaten wurden in die Totenkammer des Garnisonsspitales gebracht, die schwerer Verwundeten in die Spitäler übergeführt. Von den 18 in das Landwehrspital gebrachten schwerverletzten Soldaten starb einer heute nachts und einer im Laufe des Vormittags."

Tags darauf, am 14. November 1918, teilte das Grazer Tagblatt mit, dass während der "Schlacht am Hauptbahnhof" mindestens 500 Schüsse gefallen waren, ein entfernt stehender Waggon "durchsiebt" worden wäre, und sich dort noch Tote befinden könnten. Außerdem wurde berichtet, dass sogar "einige Geschoße ihren Weg bis in die Neubaugasse fanden, wo einige in das Gebäude der Lederfabrik Bieber einschlugen."

 

Link:
Eine Schlacht im Hauptbahnhofe (Grazer Tagblatt vom 13. November 1918)

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