Die Website zum Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018 wird nicht mehr aktualisiert, steht aber bis auf weiteres als Nachlese zur Verfügung.
Seitenpfad
Ihre Position: Oesterreich100.at - Von Tag zu Tag 1917 bis 1919
Inhalt

Von Tag zu Tag 1917 bis 1919

15. März 1919

Staatskanzler Dr. Renner verliest in der Sitzung der Nationalversammlung vom 15. März das Programm der neugewählten Regierung
"Staatskanzler Dr. Renner verliest in der Sitzung der Nationalversammlung vom 15. März das Programm der neugewählten Regierung: Rechts vom lesenden Staatskanzler Dr. Renner Vizekanzler Fink, daran anschließend die Staatssekretäre Stöckler und Zerdik, dann Unterstaatssekretär Miklas und Waiß und am Ende der Ministerbank Dr. v. Bartusch und Dr. Paul; links vom Staatskanzler sitzen die Staatssekretäre Hanusch, Dr. Bauer und Dr. Deutsch, die Unterstaatssekretöre Glöckel und Dr. Ellenbogen und am Ende der Ministerbank die Staatssekretäre Dr. Schumpeter und Dr. v. Loewenfeld-Ruß"; © Wiener Bilder vom 23. März 1919

Die Wiener Bilder berichteten ausführlich über die am 15. März 1919 gebildete erste demokratisch legitimierte österreichischen Regierung:

"Am Samstag, den 15. März, ist die erste Regierung aus der Wahl der neuen Nationalversammlung geschaffen worden, der die Geschicke der jungen Republik Deutschösterreich anvertraut sind. Die beiden führenden Parteien, die Sozialdemokraten und die Christlichsozialen haben sich zu diesem Ministerium geeinigt, dem der neue Kanzler Dr. Renner die treffende Bezeichnung gegeben, daß es Arbeiter und Bauer zu gemeinsamer Arbeit vereinige. Das Bürgertum hat sich bei der Bildung der neuen Regierung leider schmollend abseits gestellt und sich freie Hand vorbehalten […] Eine Lücke zeigt die neue Regierung noch insofern, als für das Staatsamt für Aeußeres Dr. Otto Bauer nur die Leitung übernimmt: für so lange, als der zukünftige Staatssekretär noch nicht bestimmt ist. Die Besetzung durch Dr. Franz Klein, die von der sozialdemokratischen Partei befürwortet worden ist, war im Augenblick nicht möglich, weshalb sich Dr. Bauer zu der vorläufigen Weiterleitung bereit erklärt hat. Aber Dr. Bauer wie die sozialdemokratische Partei wünschen entschieden, daß Dr. Bauer seine ganze Kraft der alles überragenden Aufgabe der Sozialisierung widme – er ist zum Präsidenten der Sozialisierungskommission gewählt worden –, so daß sein Verbleiben auf dem Ballhausplatz lediglich davon abhängt, daß jemand gefunden wird, dem man das Amt ruhig anvertrauen kann."

Otto Bauer blieb bis Juli 1919 Staatssekretär des Äußeren und trat zurück, als sich die deutschösterreichische Anschlusspolitik aufgrund des Drucks der Siegermächte des Ersten Weltkriegs nicht umsetzen ließ. Sein Amt wurde bis zum Ende der Regierungsperiode von Karl Renner ausgeübt. Otto Bauer leitete parallel zu seinem Regierungsamt Bauer die vom Parlament eingesetzte Sozialisierungskommission, in der Ignaz Seipel die Christlichsoziale Partei vertrat. Der größte Erfolg dieser Kommission war der Beschluss über die Betriebsräte vom 15. Mai 1919. Da die Kommission über die Verstaatlichung von Privatunternehmen keinen Konsens herstellen konnte, stellte sie ihre Tätigkeit allerdings bald ein.

Link:
Das erste Ministerium der Republik Deutschösterreich (Wiener Bilder vom 23. März 1919)

Alle Einträge anzeigen: Von Tag zu Tag