Am 16. März 1919 wurde – wie schon öfter nach Kriegsende – vom möglichen "Anschluss" Vorarlbergs an die Schweiz berichtet:
"In Vorarlberg gehen die Ansichten über den Anschluß an die Schweiz, an Deutschösterreich oder an Bayern weit auseinander. Neuerdings lehnte der Vorarlberger Landesrat es ab, die Abstimmung des Lustenauer Werbeausschusses für den Anschluß Vorarlbergs an die Schweiz nach Bern zu übermitteln, da diese Abstimmung inoffiziell war und dem neuen Landtage die Entscheidung über diese Frage vorbehalten werden müsse. Es wurden die Ausschüsse zur Prüfung und zur Fühlungnahme mit Wien, München und Berlin eingesetzt."
Tatsächlich fand am 11. Mai 1919 eine offizielle Volksabstimmung über diese Frage statt. Abgestimmt wurde über folgendes: "Wünscht das Vorarlberger Volk, dass der Landesrat der Schweizer Bundesregierung die Absicht des Vorarlberger Volkes, in die Schweizerische Eidgenossenschaft einzutreten, bekannt gebe und mit der Bundesregierung in Verhandlungen trete?"
Abgesehen von Bludenz und Hittisau sprachen sich alle Vorarlberger Gemeinden für die Aufnahme von Verhandlungen mit der Schweizer Regierung aus. Die Zustimmungsrate lag bei 81%. Da wenig später der Staatsvertrag von St. Germain die Grenzen Österreichs inklusive Vorarlbergs festlegte, wurde aber auf die Aufnahme von Verhandlungen verzichtet. Allerdings bestanden auch in der Schweiz Vorbehalte gegen eine Aufnahme Voralbergs als Schweizer Kanton, da dadurch der deutsche Sprachanteil gegenüber dem französischen, italienischen und rätoromanischen deutlich gestiegen wäre, auch konfessionell wäre es zu einer starken Verschiebung zugunsten des Katholizismus gekommen. Da der Zusammenschluss mit der Schweiz nicht gelang, sprach man in Vorarlberg mancherorts vom eigenen Land bitter als "Kanton Übrig".
Links:
Die Anschlußfrage Vorarlbergs (Das interessante Blatt vom 16. März 1919)
Weiterlesen: Die Vorarlberger Anschlußfrage (ausführlicher Artikel im Bludenzer Anzeiger vom 15. März 1919)