Die Website zum Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018 wird nicht mehr aktualisiert, steht aber bis auf weiteres als Nachlese zur Verfügung.
Seitenpfad
Ihre Position: Oesterreich100.at - Von Tag zu Tag 1917 bis 1919
Inhalt

Von Tag zu Tag 1917 bis 1919

16. November 1918

Regierungsrat Dr. Eduard Rambousek, Präsidialchef der Landesregierung, 1918
"Regierungsrat Dr. Eduard Rambousek, Präsidialchef der Landesregierung und Chef der Lebensmittel- und Bedarfsmittel-Prüfungsstelle in Salzburg, ein gebürtiger Tscheche, wurde wegen Unterschlagung mit seiner Frau in Wien verhaftet und beging im Gefängnis Selbstmord"; © Das Interessante Blatt vom 26. Dezember 1918

Anfang November 1918 flog die Affäre Rambousek auf, einer der größten Korruptionsskandale der untergehenden Monarchie. So rasch sie aufflog, so schnell war sie auch zu Ende, da der Haupttäter, der Präsidialchef der Salzburger Landesregierung Dr. Eduard Rambousek am 16. November 1918 in seiner Zelle Selbstmord beging. Der Rambousek-Skandal...

"...ist nicht mit einigen Worten abzutun, denn er zeigt, wie es gemacht wurde und wie mit dem patriotischen Empfinden des Volkes 'Schindluder' getrieben wurde. Während die Bevölkerung die unverschämt hohen Preise der von der Regierung beigestellten Lebensmittel zahlen mußte, ergaunerte sich der Leiter der Aktion, Regierungsrat Dr. Eduard Rambousek, einen 'Ueberschuß' von 6 Millionen Kronen [2.970,660 Euro]. Sein Genosse, Oberleutnant Milichhofer, der vor 2 Jahren noch ein armer Teufel war, besitzt jetzt 2 Häuser mit luxuriös ausgestatteter Wohnung. Dr. Rambousek in Josefstadt Böhmen, geboren, ein Protektionskind des einstigen Thronfolger Franz Ferdinand, war nebstbei die sogenannte 'rechte Hand' des Landespräsidenten und mancher alter 'Volksvertreter' fühlte sich geschmeichelt durch eine Anrede und ein Anlächeln dieses 45 jährigen Herren, der sich jetzt als geradezu abgefeimter Dieb entpuppte, denn das abgeleugnete Geld trug er in Säckchen am Körper und in das Rockfutter eingenäht."

Eduard Rambousek leitete ab 1914 die Präsidialkanzlei der Salzburger Landesregierung, außerdem das Militärreferat, die Flüchtlingsfürsorge, die Rechnungsabteilung und ab 1918 die Ernährungsabteilung. In diesen Ämtern unterschlug der Multifunktionär bis zu 20 Millionen Kronen [9.902,200 Euro]. Rambouseks Lebensstil fiel zwar schon während des Kriegs auf, vor allem auch durch Lebensmittelzuwendungen für Freunde und Bekannte. Er hatte es in erster Linie der im Krieg herrschenden Zensur zu verdanken, dass seine Machinationen nicht früher bekannt wurde. Erst am 8. November 1918 wurde Rambousek, der mit einem eben gekauften Automobil in die Schweiz flüchten wollte, verhaftet. Er hatte bei seiner Festnahme 6 Millionen Kronen in Bar bei sich. Am 16. November 1918 erhängte sich Rambousek in seiner Zelle.

Links:
Der Rambousek-Skandal (Der Volksfreund vom 16. November 1918)
Weiterlesen: Salzburg: Das Spiel vom Sterben des reichen Landes

Alle Einträge anzeigen: Von Tag zu Tag