Während des Ersten Weltkriegs begingen k.u.k. Truppen vor allem im Osten der Monarchie und in Serbien zahlreiche Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung. Nach Kriegsende kam es zwar zu einigen Strafprozessen, trotzdem gelang es die Verbrechen großteils zu verschleiern. Der Allgemeine Tiroler Anzeiger berichtete am 18. November 1918 von einem Vorfall, der wohl die Vertuschung bestimmter Vorfälle während des Krieges bezweckte:
"Erzherzog Peter Ferdinand, welcher kurz vor dem Zusammenbruch die höchste militärische Charge erhielt, wahrscheinlich für treue Pflichterfüllung und angestrengte wertvolle Arbeit im Dienste des Vaterlandes, war einer der ersten, der sich von Meran aus über Vinschgau auf die Flucht machte. Er kam im Automobil nach Imst und hielt sich einige Stunden hier auf. Bei dieser Gelegenheit ließ er im Hofe hinter dem Postamt viele hundert Kilo seines Kriegsarchivs verbrennen. Es war darunter wahrscheinlich so manches, was gewisse Sünden hätte aufdecken können und deshalb vernichtet werden mußte."
Die Militärgerichtsbarkeit, die eigentlich nur für Heeresangehörige galt, wurde mit einer kaiserlichen Verordnung gleich zu Kriegsbeginn am 25. Juli 1914 in der österreichischen Reichshälfte, also auch in Galizien, auf Zivilpersonen ausgedehnt. Darunter litten in den ersten Kriegsjahren vor allem jüdische, polnische und ruthenische (ukrainische) Österreicherinnen und Österreicher an der galizischen Grenze zu Russland, wo sich die k.u.k. Armee überall von Verrat umgeben wähnte. Dieses Misstrauen führte dazu, dass k.u.k. Truppen dort Massenhinrichtungen durchführten, da man der Bevölkerung pauschal unterstellte, sie würde für den Feind spionieren. Schon der leiseste Verdacht oder Hinweis genügte, um am Galgen zu enden. Neben hastiger Verfahren vor Standgerichten kam es auch zu "wilden Hinrichtungen", die ohne Prozesse von den jeweiligen Militärkommandanten angeordnet wurden.
Am Balkan sollen österreichische Soldaten bereits im August 1914 den Befehl erhalten haben "alles zu töten und niederzubrennen, was uns im Laufe dieser Kampagne über den Weg läuft, und alles was serbisch ist, zu zerstören" (vgl. unten den Link "Die Kriegsverbrechen der k.u.k. Armee"). Am 17. August 1914 kam es folgerichtig zu einem Massaker in Šabac, wo 80 Einwohner des Dorfes zusammengetrieben, erschossen und in Massengräbern verscharrt wurden. Die Fotografie weiter oben zeigt eine Massenhinrichtung 2 Jahre später, die von k.u.k. Soldaten an Serben in Kruševac vollzogen wurde, denen die Verheimlichung von Waffenlagern unterstellt wurde.
Links:
Verbranntes Kriegsarchiv (Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 18. November 1918)
Weiterlesen: Österreichische Militärgerichtsbarkeit im Ersten Weltkrieg – "Schwert des Regimes"?
Weiterlesen: Die Kriegsverbrechen der k.u.k. Armee. Zwischen Soldateska und Standgericht
Weiterlesen: Zweimal gehängt (Bericht zu den Hinrichtungen in Kruševac, die auf dem Foto oben zu sehen sind; in serbischer Sprache)
Weiterlesen: Anton Holzer, Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914-1918, Primus Verlag 2008
Weiterlesen: Franz Arneitz, Andreas Kuchler, Meine Erlebnisse in dem furchtbaren Weltkriege 1914–1918, Kremayr & Scheriau, 2016