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Von Tag zu Tag 1917 bis 1919

22. März 1919

Dr. Gustav (von) Klein-Doppler
Dr. Gustav (von) Klein-Doppler; © Wiener Salonblatt vom 22. März 1919

Am 22. März 1919 würdigte das Wiener Salonblatt den begeisterten Schifahrer Gustav Klein-Doppler:

"Als Präsident des österr. Skivereins hat sich Dr. v. Klein bedeutende Verdienste nicht nur um den Verein als solchen erworben, sondern auch um die Verbreitung und Popularisierung des Skilaufes in Österreich. Während des Weltkrieges leistete Dr. v. Klein vom Dezember 1914 bis Februar 1915 freiwillig Dienste als Skilehrer in Mariazell bei den Skikursen des Militärkommandos Wien. Später assentiert und dem Feldhaubitzenregiment Nr. 13 zugeteilt, fand er auch weiterhin Verwendung als Militärskilehrer des Wiener Militärkommandos. Bei der Lawinenkatastrophe am 19. Februar 1916 am Hochkönig entging er nur durch ein Wunder dem Tode."

Der Enkel des berühmten Physikers Christian Doppler, der Rechtsanwalt Gustav Klein-Doppler, war seit 1910 Präsident des Österreichischen Schi Vereins in Wien, der dem Dachverband "ÖSV – Österreichischer Schi Verband" angehörte. Als der ÖSV im Jahr 1923 den "Arierparagraphen" einführte, und damit jüdische Sportlerinnen und Sportler ausschloss, verließ der Österreichische Schi Verein auf Initiative Klein-Dopplers den ÖSV und gründete 1924 gemeinsam mit anderen weltoffenen Vereinen den "Allgemeinen österreichischen Schiverband", dem vom internationalen Schiverband FIS das alleinige Recht zugesprochen wurde internationale Veranstaltungen, vor allem Weltmeisterschaften und Olympische Spiele, mit österreichischen Athletinnen und Athleten zu beschicken. Gustav Klein-Doppler wurde zum Vorsitzenden des neuen Verbandes gewählt. Der ÖSV blieb wegen des "Arierparagraphen" von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen.

Als sich nun die olympischen Winterspiele 1928 näherten, traf Klein-Doppler eine verheerende Entscheidung, die seine Karriere als Spitzenfunktionär des Schiverbandes jäh beenden sollte: er unterstützte die Einführung des "Arierparagraphen" in seinem Stammverein. Klein-Dopplers Argumentation für die Einführung des "Arierparagraphen" im Österreichischen Schi Verein, die sowohl auf liberaler als auch auf deutschnationaler Seite auf Ablehnung stieß, war folgende: Dadurch, dass ein einziger Mitgliedsverein des Allgemeinen österreichischen Schiverbandes den deutschnationalen, antisemitischen Standpunkt einnähme, aber im weltoffenen Allgemeinen Dachverband verbliebe, würden deutschnationale Schisportlerinnen und -sportler die Gelegenheit bekommen diesem Verein beizutreten, um so an den kommenden Olympischen Spielen teilzunehmen, bei denen ihr bisheriger Verband, der antisemitische ÖSV, ja ausgeschlossen war.

Da die Situation aufgrund Klein-Dopplers Vorgehen völlig verfahren war, musste das Bundesministerium für Unterricht, wohin auch die Sportagenden ressortierten, vermittelnd eingreifen. Und tatsächlich wurde eine ungewöhnliche, aber für beide Seiten befriedigende Lösung gefunden: Es wurde ein weiterer Dachverband für die beiden bestehenden Dachverbände gegründet, der den Namen "Österreichische Skidelegation" erhielt. In diese "Skidelegation" entsandten beide Dachverbände gleich viele Delegierte, die alle Entscheidungen einhellig treffen mussten, sodass keiner der beiden Dachverbände den jeweils anderen überstimmen konnte. Somit konnten Schisportlerinnen und -sportler beider Verbände an den Olympischen Spielen 1928 teilnehmen.

Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in St. Moritz war die erste in der Geschichte der Republik, bei der Österreich mit 3 Silber- und einer Bronzemedaille den 7. Rang erreichte; Platz 1 ging an Norwegen mit 6 Gold-, 4 Silber- und 5 Bronzemedaillen.

Gustav Klein-Doppler sollte noch einmal, aber nur für ganz kurze Zeit, an die Spitze des Österreichischen Schiverbandes zurückkehren. Am 6. Februar 1938 kam es nämlich im Rahmen eines internationalen Schisprungwettbewerbs auf der Sattnitz bei Klagenfurt zu nationalsozialistischen Kundgebungen, die ernste Folgen hatten:

"Wie die Amtliche Nachrichtenstelle mitteilte, begleitete ein Teil der Zuschauer jeden Aufruf eines reichsdeutschen Springers mit demonstrativem Beifall, während die ausgezeichneten Leistungen der Oesterreicher mit eisigem Schweigen aufgenommen wurden. Nach Beendigung des Springens sangen illegale Elemente verbotene nationalsozialistische Lieder, wobei es zu kleinen Reibungen mit anderen Zuschauern kam." (Der Landbote vom 12. Februar 1938)

Als Reaktion auf die nationalsozialistischen Ausschreitungen wurden 2 Funktionäre des veranstaltenden Kärntner Schivereins verhaftet und die Führung des ÖSV ausgewechselt, wobei Klein-Doppler zum Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses des ÖSV ernannt wurde.

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte Klein-Doppler als Rechtsanwalt. Er verstarb im Alter von 89 Jahren und wurde am 6. Juni 1969 am Wiener Zentralfriedhof begraben.

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Dr. Gustav von Klein (Wiener Salonblatt vom 22. März 1919)

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