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Von Tag zu Tag 1917 bis 1919

23. November 1918

Rudolf Tyrolt in der Rolle des Berliner Lampenfabrikanten Giesecke in Oskar Blumenthals und Gustav Kadelburgs "Im Weissen Rössel"
Rudolf Tyrolt in der Rolle des Berliner Lampenfabrikanten Giesecke in Oskar Blumenthals und Gustav Kadelburgs "Im Weissen Rössel" (handschriftlich aus dem Text des Giesecke: "Haben Sie denn keine deutsche Speisekarte?", Unterschriften: Giesecke, Tyrolt), vor 1918; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Der "Hof- und Kammerfotograf" des steirischen Schriftstellers Peter Rosegger Franz Joseph Böhm widmete einem anderen "lieben Landsmann, dem großen Schauspieler Rudolf Tyrolt" im Grazer Tagblatt eine geradezu hymnische Laudatio zu dessen 70. Geburtstag am 23. November 1918:

"Ein lieber Landsmann, ein großer deutscher Schauspieler begeht heute sein 70. Wiegenfest, unser herrlicher Dr. Rudolf Tyrolt. Am 21. November des Sturmjahres 1848 wurde dem Oberfinanzrat A. Tyrolt in Rottenmann ein Söhnchen geboren, das den Vornamen Rudolf mit auf den Lebensweg bekam. Als Kind schon sehr aufgeweckt, besuchte er nach Vollendung der Mittelschule die Grazer Universität, und am 6. Oktober 1870 empfing er den Doktorhut. Zwei Tage später trat Dr. Tyrolt zum nicht geringen Entsetzen seiner Eltern als Schauspieler am landschaftlichen Theater auf […] Dr. Tyrolt ist einer der besten und ältesten Freunde unseres Rosegger gewesen, der an die Sendung des Dichters schon im Jahre 1869 geglaubt hat, als die beiden Kunstjünger einander kennenlernten. Im Juni des vergangenen Jahres kamen Dr. Tyrolt und ich von einer herrlichen Waldheimatwanderung auf dem Rückwege zu Rosegger nach Krieglach, und ich gedenke in Wehmut der Stunde, wo ich damals Zeuge war, als zwei Freunde unbewußt Abschied fürs Leben nahmen, Tyrolt und Rosegger haben einander nicht wiedergesehen…"

Rudolf Tyrolt studierte an der Grazer Universität zunächst Rechtswissenschaften, entschied sich aber letztendlich für das Philosophiestudium. Bereits während seiner Zeit an der Universität lernte er Peter Rosegger und die Schauspielerin Josefine Gallmeyer kennen, die seine Entscheidung den Weg des Schauspielers einzuschlagen beeinflussten. Nach erfolgreichen Auftritten in Olmütz und Brünn, wurde er an das Wiener Stadttheater engagiert und 1882 an das Hofburgtheater berufen, wo er zum "k.k. Hofschauspieler" avancierte. Seine endgültige Bühnenheimat sollte er aber am Wiener Volkstheater finden, wo er sich auf die Darstellung von "Wiener Typen" spezialisierte.

Rudolf Tyrolt beendete seine Schauspielkarriere erst im Alter von 78 Jahren und zog sich 1926 in seine Villa im niederösterreichischen Gutenstein zurück, wo er 1929 starb. Dort befindet sich auch seine Grabstätte. 1930 wurde in Wien-Meidling die Tyroltgasse nach ihm benannt.

Links:
Dr. Rudolf Tyrolt 70  (Grazer Tagblatt vom 23. November 1918)
Heute vor 100 Jahren: Das Ableben Peter Roseggers (26. Juni 1918)

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