Am 24. März 1919 um etwa 17 Uhr passierte der Sonderzug mit dem ehemaligen Kaiser Karl und dessen Familie die österreichisch-schweizerische Grenze in Buchs, Vorarlberg, womit die Ära der Habsburger in Österreich endgültig vorüber war. Schon seit Dezember 1918 hatte die Regierung den ehemaligen Kaiser dazu gedrängt entweder formell abzudanken oder das Land zu verlassen, um diplomatische Konflikte mit den neuen Nachbarstaaten zu vermeiden. Karls Hofhaltung im Jagdschloss Eckartsau östlich von Wien verursachte außerdem hohe Kosten, da zu seinem Schutz ein eigenes Polizeikommissariat in Eckartsau unterhalten werden musste, und andererseits kam es angesichts der Hungersnot immer wieder zu Kritik an den vergleichsweisen luxuriösen Bedingungen am "kaiserlichen Hof".
Da sich Karl zu keinem formellen Thronverzicht durchringen konnte, blieb ihm keine Wahl, außer das Land zu verlassen. Dabei wurde er vom britischen König Georg unterstützt, der sich Sorgen um die Sicherheit der ehemaligen kaiserlichen Familie machte; gerüchteweise fühlte sich der britische Monarch am Schicksal der russischen Kaiserfamilie mitschuldig, der er 1918 kein Asyl in England gewähren wollte, und die wenig später in Jekaterinburg ermordet wurde. Zwar war Karl Habsburg-Lothringen Anfang 1919 nicht unmittelbar bedroht, aber die Ausrufung der Räterepublik in Ungarn, nur wenige Kilometer von Eckartsau entfernt, verhieß wenig Gutes.
Bereits eine Woche vor der Abreise des ehemaligen Monarchen, ersuchte der britische Generalstab die österreichische Regierung um die Bereitstellung von Zugsgarnituren, darunter auch den Hofzug, vorgeblich um Entente-Personal aus dem revolutionären Ungarn in Sicherheit zu bringen. Die Züge wurden auf der Strecke zwischen Wien-Hütteldorf und Wien-Westbahnhof "ausprobiert" und kleinere Mängel behoben. Am 23. März 1919 wurde einer davon in das niederösterreichische Kopfstetten bei Eckartsau überstellt, von wo er den in den Medien als "Exkaiser" titulierten Karl und dessen Familie in die Schweiz bringen sollte. Die Abreise sollte noch am 23. März erfolgen, wovon die deutschösterreichische Regierung erst wenige Stunden vorher formell informiert wurde.
Gegen 19 Uhr verließ der Sonderzug mit der ehemals kaiserlichen Familie Kopfstetten und wurde über Stadlau, Simmering und Ober-St.-Veit nach Wien-Hütteldorf geführt, wo die Lokomotive gewechselt wurde:
"Sonntag um 9 Uhr 40 Minuten abends traf der Sonderzug, der aus vier Salon-, einen Schlaf-, einen 1. Klasse-, einen Küchen- und zwei großen Gepäckwagen bestand, von Kopfstetten kommend, auf dem Hütteldorfer Bahnhof ein. Dort erfolgte der erste Maschinenwechsel. Nach 10 Minuten Aufenthalt während dem der den Zug begleitende englische Offizier wie die englische Begleitmannschaft auf dem Bahnsteig auf und abgingen, setzte der Sonderzug die Reise fort […] Der Wachdienst auf dem Hütteldorfer Bahnhof wurde von einer verstärkten Detektivabteilung seit Sonntag mittags versehen […] Fast zur selben Stunde, als der Sonderzug in Hütteldorf einlief, traf vor dem Bahnhof ein ehemaliges kaiserliches Auto ein und wartete bis zur Abfahrt des Zuges. Das Auto kam ohne Insassen und fuhr auch leer wieder ab... Welchen Zweck die Anwesenheit dieses Automobils hatte, ist nicht bekannt. Selbstverständlich knüpfen sich daran die seltsamsten Vermutungen, deren Stichhältigkeit nicht geprüft werden kann. Man hält es nicht für ausgeschlossen, daß der Kraftwagen bereit stand, um bei allfälligen Zwischenfällen in ihrer Sicherheit bedrohten Persönlichkeiten zur Flucht zu verhelfen."
Von Wien-Hütteldorf ging es über Selztal – die ursprüngliche Route über Linz wurde wegen Sicherheitsbedenken verworfen –, Bischofshofen und Innsbruck an die Schweizer Grenze, die am am späten Nachmittag des 24. März 1919 bei Buchs überquert wurde. Unmittelbar vor der Überquerung der Grenze nahm Karl in seinem in seinem verbitterten "Feldkircher Manifest" alle Zusagen zurück, die er der deutschösterreichischen Regierung seit Oktober 1918 gemacht hatte.
Link:
Enthüllungen über die Abreise der Kaiserfamilie (Illustrierte Kronen-Zeitung vom 25. März 1919)
Weiterlesen: Das Feldkircher Manifest des ehemaligen Kaisers Karl vom 24. März 1919 (PDF)