Im Neuen Wiener Tagblatt erschien am 25. März 1919 eine kurze Meldung über den angeblich unmittelbar bevorstehenden Abbruch einer bekannten Wiener Kirche, die aufgrund ihrer Lage immer wieder Verkehrsbehinderungen verursachte:
"Im Voranschlage der Bezirksvertretung Margareten wurde die Demolierung der Matzleinsdorfer Kirche vorgesehen, weil sie mitten in der Straße steht, dieselbe in zwei enge Teile teilt und daher ein Verkehrshindernis bilde. Im Klieberpark soll die Kirche neu aufgebaut werden."
Tatsächlich wurde der als "Rauchfangkehrerkirche" bekannte Barockbau aus dem Jahr 1725 – hier fanden traditionell die Umzüge der Wiener Rauchfangkehrer statt – erst 46 Jahre später abgetragen, nämlich im Jahr 1965, als der Individualverkehr die Stadt in den Wirtschaftswunderjahren nach dem Zweiten Weltkrieg fest im Griff hatte. Die Kirche stand nämlich auf einer Insel inmitten der Wiedner Hauptstraße, sodass es dort immer wieder zu Verkehrsstauungen kam.
Schon 1787 sollte das Gebäude erstmals abgebrochen werden, allerdings scheiterte Kaiser Joseph II, der die Demolierung verfügt hatte, am Widerstand der Bevölkerung. 1907 gab es neuerlich Überlegungen die Kirche durch einen am Fahrbahnrand anzulegenden Neubau zu ersetzen. Da aber kein passender Bauplatz gefunden werden konnte, wurde der Abbruch immer wieder aufgeschoben. Sanierungsarbeiten wurden nach der letzten Renovierung im Jahr 1900 keine mehr durchgeführt und ein Brand im Jahr 1925 setzte der Bausubstanz weiter zu.
Schließlich bat die Erzdiözese Wien die Wiener Stadtregierung 1953 um Unterstützung bei der Grundstückssuche für den Bau einer neuen Kirche in der Wiedner Hauptstraße. Die Stadt Wien konnte tatsächlich ein Grundstück in unmittelbarer Nähe zur alten Kirche zur Verfügung stellen und erhielt von der Erzdiözese, die auch den Abbruch der alten Kirche finanzierte, im Tauschweg den Grund, auf dem die "Rauchfangkehrerkirche" stand. Das Bundesdenkmalamt erhob keinen Einspruch. Unmittelbar vor den Abbrucharbeiten kam es zwar zu einer Unterschriftenaktion gegen den Abbruch, die aber erfolglos blieb.
Link:
Demolierung der Matzleinsdorfer Kirche (Neues Wiener Tagblatt vom 25. März 1919)