Am 26. November 1918 berichtete die Salzburger Chronik über eine Erkundungsreise internationaler Journalisten durch die ehemalige k.u.k. Monarchie. Die Gruppe bestand aus Vertretern der englischen, französischen, amerikanischen sowie der Schweizer Presse und war vom ungarischen Ministerpräsidenten Mihály Károlyi eingeladen worden. Die Journalisten machten sich in Bern per Zug in einem ungarischen Salonwagen auf den Weg nach Budapest und machten in Innsbruck, Salzburg sowie in Wien Station, um über die Zustände in Deutsch-Österreich zu berichten.
Bei ihrem Aufenthalt in Salzburg zeigten sich die Berichterstatter erfreut über die reibungslose Zusammenarbeit aller politischen Vertreter des Landes. Sie hatten offenbar bolschewistische Zustände wie in Russland erwartet, wogegen man sich in Österreich vehement verwehrte:
"Die Schweizer Journalisten erkundigten sich sehr eingehend über die Ernährungsverhältnisse in Deutschösterreich und speziell in Salzburg. Franzosen, Engländer und Amerikaner wollten vor allem über die politischen Dinge Auskunft. Mit wirklich sichtlicher Genugtuung vernahmen sie von dem einigen Zusammenarbeiten aller drei Parteien des Landes, glaubten beinahe nicht, daß der Uebergang von der alten zur neuen Regierung sich ohne 'revoltes' und 'troubles' vollzogen habe und waren vollends ganz weg darüber, daß der frühere Landespräsident mit der neuen Regierung lange mitarbeitete, um alles ordnungsgemäß zu übergeben. Von einer solchen 'Revolution' hatten sie sich nicht träumen lassen […] Man hat in England und selbst in Amerika eine Höllenangst vor dem Bolschewismus […] So fürchtet man, daß der Bolschewismus sich auch auf das deutsche Volk ausbreite […] Es ist höchste Zeit, daß wir diesem Gerede entgegentreten: denn so weit wie in Rußland sind wir noch lange nicht und unsere Soldatenräte haben zwar dieselben Namen wie die in Rußland, stellen sich aber auf den Boden der Ordnung, nicht der Anarchie, sind keine Gegner der Nationalregierung, sondern wollen im Gegenteil mit der Regierung mitarbeiten. Tatsache ist aber, daß wir uns hübsch brav verhalten müssen, wollen wir von Amerika etwas zum Essen kriegen, und noch etwas klang deutlich aus der Unterredung heraus, nämlich dass wir alles, was wir kriegen gut, vielleicht sehr gut werden bezahlen müssen. Es bleibt also nichts übrig, als arbeiten und wiederum arbeiten, unverdrossen und unverzagt, damit wir bald auf eigenen Füßen stehen und fremde Hilfe nicht brauchen. Unsere Bodenschätze und unsere Wälder, überhaupt das Letzte, was wir haben, geht sonst über in landfremde Hände."
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Entente-Journalisten in Salzburg (Salzburger Chronik vom 26. November 1918)