Aufgrund der kriegsbedingten Mangelwirtschaft war Tabak schwer verfügbar. Deshalb wurde sogenannter "Strecktabak" mit Laub angereichert. Gemäß Anweisung des für das österreichische Tabakmonopol zuständigen Finanzministeriums wurde verfügt, dass in erster Linie Rotbuchenlaub zur Streckung des Tabaks verwendet werden sollte. Das Rotbuchenlaub musste frisch sein und nur in Laubwäldern gesammelt werden, um eine Vermischung mit Tannen- oder Fichtennadeln zu vermeiden. In der Umgebung Wiens wurde deshalb im Wienerwald entlang der Westbahn gesammelt.
Der Wienerwald diente den Bewohnerinnen und Bewohnern Wiens und Niederösterreichs insbesondere im ersten Nachkriegswinter 1918/1919 auch als Brennholzreservoir. Der östliche Teil des im Wienerwald gelegenen Lainzer Tiergartens wurde nach dem Krieg fast zur Gänze abgeholzt – dort wurde ab 1920 die "Friedensstadt" von der Siedlungsgenossenschaft der Kriegsbeschädigten errichtet.
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"Tabak"-Ernte im Wienerwald (Illustrierte Kronen Zeitung vom 6. November 1917)