Im November 1918 wurde aus Vorarlberg berichtet, dass Petitionen in Umlauf wären, die einen Anschluss Vorarlbergs an die Schweiz forderten, dass Vorarlberger bei Rheineck in die Schweiz zu gelangen versuchten und, dass schlussendlich am 7. November 1918 eine Delegation des Vorarlberger Landesrates zu Gesprächen in die Schweiz abgereist wäre. Die sozialdemokratische Vorarlberger Wacht berichtete am 8. November 1918 vorsichtig positiv über diese Anschlusstendenzen:
"Unsere Hauptindustrie ist bekanntlich die Stickerei, welche schon in Friedenszeiten, trotz der Zollschranken, durch ein enges wirtschaftliches Zusammenleben mit der Schweiz lebensfähig war. Es wird uns daher in der heutigen Zeit niemand einen Mangel an vaterländischem Empfinden vorwerfen können, wenn wir den Gedanken eines Anschlusses an die Schweiz in der gegebenen Zeit aufrollen. Daß ein sehr großes Interesse hiefür vorhanden ist, beweist das eine, daß trotz der gegenwärtig umwälzenden Ereignisse ein solcher Anschluß bei der Mehrzahl der Bevölkerung im Ländle den Hauptgesprächsstoff bildet. Aber nicht nur die Stickerei und der Großteil der anderen Industrie, auch die Landwirtschaft dürfte bei einem derartigen Anschlusse nur profitieren, z.B. die großangelegten Käsereien des Landes würden in Friedenszeiten gewiß mit ihren Produkten einen reißenden Absatz als Schweizerkäse finden. Zu alledem gehört Vorarlberg als Alemannenvolk eigentlich nicht zu den Bajuvaren, sondern zu ihren Stammesgenossen, den Schweizern. Damit wäre auch die Bevölkerung den nachkommenden Lasten des verspielten Krieges enthoben! Eine andere Frage wäre allerdings, ob die Schweiz das Ländle zu übernehmen gewillt wäre, und ob ein derartiger Anschluß bei den Friedensrichtern Zustimmung finden würde. Nun, sei dem wie immer wolle, wir möchten diesen geeigneten Zeitpunkt nicht vorübergehen lassen, ohne in der Öffentlichkeit darüber zu sprechen und überlassen es nun anderen Faktoren, ihre Meinung darüber zu äußern!"
Am 13. November 1918 gründete der Lustenauer Ferdinand Riedmann den Werbeausschuss für den Anschluss an die Schweiz, der von der Mehrzahl der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger unterstützt wurde. Im Mai 1919 stimmten sogar 80% der Wahlberechtigten für die Aufnahme von Verhandlungen zwischen Vorarlberg und der Schweiz. Da sich die deutschösterreichische Regierung aber gegen den Verlust Vorarlbergs wehrte und im Falle von schweizerischen Ansprüchen auf Vorarlberg damit drohte die italienischsprachigen Gebiet der Schweiz bei den Friedensverhandlungen zu thematisieren, zog sich die Schweiz zurück. Damit war die Vorarlberger Anschlussbewegung an die Schweiz gescheitert.
Links:
Stimmen für ein Schweizer Kantönli Vorarlberg? (Vorarlberger Wacht vom 8. November 1918)
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Weiterlesen: Die Rheinbrücke bei Bangs